Archive for the ‘Urbanism’ Category

Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Mittwoch, Juli 2nd, 2008

Gestern wurde bekannt, dass die Wiener Linien eine Neuordnung der Ringlinien planen und diese heute vorstellen wollen. Diese Ankündigung hat natürlich in den diversen Verkehrs-Foren zu großen Sorgen geführt, welche Linieneinstellungen nun wieder zu befürchten sind. Immerhin lehrt die Geschichte, dass solche Ankündigungen oft mit deutlichen Einschränkungen für die NutzerInnen einhergehen. Siehe die Linie 21, die zumindest in Teilbereichen hätte weiterbetrieben werden sollen. Und jetzt, wo gerade die EM vorbei ist und die U2 – laut Wiener Linien – den Verkehr des Ringes gut aufnehmen konnte.

Aber es sollte anders kommen, es wurde heute ein Konzept vorgestellt, dass für die meisten NutzerInnen sicher Vorteile bringen wird. Das Ringelspiel der Linien 1 und 2 am Ring wird beendet, welches mehrere Nachteile hatte: Erstens hat es zu vermehrten Umsteigen geführt und zweitens zu zusätzlichen Wartezeiten, weil die Ausgleichszeiten nicht wie bei anderen Stationen in der Endstation eingehalten werden konnte sondern in einer der Stationen. Dafür werden mehrere Linien verbunden, womit neue Umsteigerelationen geschaffen werden.


Die neuen Linien 1 und 2
Quelle: Wiener Linien

Konkret werden ab 26. Oktober 2008 die Linien 65 – 1/2 (über Oper – Schottentor und Schwedenplatz) – N zur Prater Hauptallee (neue Linie 1) und die Linien J – 1/2 (über Oper und Schwedenplatz) – N zum Friedrichs-Engels-Platz (neue Linie 2) verbunden. In weiterer Folge soll die Linie D in Linie 3 umbenannt werden und die Linie 71 als Linie 4 zur Börse verlängert werden.

Es soll sogar hinter dem Parlament eine Verbindungsstrecke für die Linie J gebaut werden, so wie ich es vor ein paar Blog-Einträgen gefordert habe.

Der einzige Wermutstropfen ist das Aufgeben des alten Linienbezeichnungsschema, dass immerhin bereits 101 Jahre alt ist. Nach diesem hätten die neuen Linien auch Buchstaben erhalten sollen, da dies klassische Durchmesserlinien sind (so wie die Linien D und N).

Damit haben die Wiener Linien und die Stadt Wien gezeigt, dass es doch möglich ist Verbesserungen umzusetzen. Weiter so!

Weitere Infos:
Ankündigung auf der WL-Homepage

Ring autofrei?

Samstag, Juni 28th, 2008

Die Europameisterschaft ist bald vorbei, womit die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Wien wohl bald wieder Vergangenheit sein werden. Ob diese Einschränkungen negativ oder positiv waren muss wohl jedeR für sich selber entscheiden. Eine dieser Einschränkungen war die Komplettsperre des Rings zwischen Heldenplatz und Rathausplatz. Bereits bei Bekanntwerden dieser Sperre jubelten die Grünen und forderten, dass diese Sperre permanent wird, etwas das natürlich von den autohörigen Parteien und Organisationen aufs härteste kritisiert wurde, indem Schreckensgespenster von chaosartigen Zuständen in Wien an die Wand gemalt wurden. Inzwischen ist die EM in Gange und was ist mit den chaosartigen Zuständen? Selbst ÖVP, ÖAMTC und ARBÖ müssen zugeben, dass das Verkehrschaos ausgeblieben ist.

Straßenbahn am Ring

Auch ich selber hab die Ringsperre kritisiert, allerdings nicht wegen des fehlenden Autoverkehrs, sondern wegen der Kompletteinstellung des Straßenbahnbetriebs in diesem Bereich. Dass durch die EM-Fanzone keine Straßenbahn fahren kann ist durchaus nachvollziehbar, leider musste die Straßenbahn in einem viel größeren Bereich eingestellt werden. Da aber die Fans auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind und auch von der Stadt dazu aufgerufen wurden die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, finde ich dies fahrlässig. Die Straßenbahnlinie 1 (und damit auch 2) verkehren nur auf der Strecke Schottentor – Schwedenplatz – Schwarzenbergplatz – Karlsplatz, die Linie D wird über den Kai umgeleitet, der J bis zum Gürtel gekürzt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, die Linie 2A komplett eingestellt. Besonders die Kürzung der Linie 1 zum Karlsplatz schmerzt, ist der Ring damit schon ab Schwarzenbergplatz Straßenbahnfrei und damit auch die Oper.

Alternativen


Bereich der EM-Fanzone

Die Stadt hätte aber die Gunst der Stunde nutzen sollen und ein paar kleine Änderungen durchführen, die den Straßenbahnverkehr nachhaltig verbessern hätten können. Die Linie J muss das Schicksal der Kürzung bis zum Gürtel sehr oft erleiden, finden doch häufig Veranstaltungen am Ring statt (Demos, Umzüge, …). Dabei könnte mit einem Betriebsgleis hinter dem Parlament eine Ausweichstrecke geschaffen werden und die Linie damit zum Dr. Karl-Renner-Ring geführt werden.
Bei der Babenbergerstraße (also Haltestelle Burgring) hätte eine Schleife errichtet werden können (zumindest temporär) und damit der Straßenbahnverkehr bis dorthin aufrecht erhalten werden. Damit wäre die Fanzone um einiges besser erreichbar gewesen. Die Kosten? Im Vergleich was andere Aktionen wie die Umgestaltung des Prater Vorplatzes oder der U2-Verlängerung zum Stadion gekostet haben, lächerlich. Vielleicht hätte diese Kosten sogar die UEFA getragen.

Ein kleiner geschichtlicher Exkurs

Bald ist die EM vorbei und damit wird wieder der Autoverkehr den Ton (bzw. Lärm) am Ring angeben, fließt dieser doch auf drei Fahrstreifen und hohen Geschwindigkeiten dahin. Eigentlich schade, wurde der Ring doch ursprünglich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Flaniermeile angelegt. An seiner Stelle waren vorher die Befestigungsanlagen der Stadt Wien, alles außerhalb war bereits Vorstadt. Rundherum war das Glacis, eine unbebaute Fläche die für Kämpfe freigehalten wurde. Dieses Gebiet wurde nach Schleifung der Befestigungsanlagen neuen Nutzungen zugeführt, Nutzungen die noch heuer viele, viele TouristInnen nach Wien locken: Stadtpark, Staatsoper, Natur- und Kunsthistorisches Museum, Volkstheater, Parlament, Rathaus, Burgtheater und Universität Wien. Der Ring wurde als Flaniermeile für den Adel angelegt, der Verkehr musste sich mit der Lastenstraße am äußeren Rand des Glacis begnügen (Rathausstraße, Getreidemarkt, Heumarkt … sprich die heutige „Zweierlinie“).
Inzwischen ist von dieser Idylle am Ring leider wenig über. Immerhin gibt es durch die Baumreihen viel Grün, aber der rasende Autoverkehr mit seinen drei Fahrstreifen zwingt die FußgängerInnen an den Straßenrand, wo sich noch dazu der Ringradweg (einer der meistbefahrenen Radwege Wiens) durchschlängelt.

Ring autofrei?

Die Grünen haben in den letzten Wochen mehrmals ihre Forderung nach einer permanenten Ringsperre wiederholt (zumindest an Sonntagen), in den letzten Tagen hat auch Hermann Knoflacher, Universitätsprofesser für Verkehr an der TU-Wien und bekannter Gegner des motorisierten Individualverkehrs, diese Forderung aufgestellt … und wurde dafür natürlich aufs schärfste kritisiert. Die Verkehrsclubs sehen das Ausbleiben des Verkehrschaos darin, dass die Leute sich halt eingeschränkt haben (Urlaub, Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel).
Der ÖAMTC überspannt den Bogen allerdings maßlos in dem er schreibt:
„Gerade in Zeiten stetig steigender Verkehrskosten ist eine
Forderung nach massiver Verkehrserschwernis ein Schlag ins Gesicht
jener Hunderttausenden Österreicherinnen und Österrreicher, die auf
die Wahl des Kfz als Träger ihrer Mobilität angewiesen sind.“

Meiner Ansicht nach braucht es gerade derzeit (Gerede über den Klimawandel, steigende Ölpreise) mutige Ideen um den Leuten zu zeigen, dass es Alternativen zum Auto gibt, ohne Einschränkung der Lebensqualität – im Gegenteil sogar, mit massiven Steigerungen der Lebensqualität.
Die Wiener Linien würden sich über die Ringsperre scheinbar freuen, nachdem sie im Artikel schreiben: „Fakt ist, die U2 hat das, was die Ringsperre möglicherweise ausgelöst hat, locker aufnehmen können“. Dies könnte man so interpretieren, dass sie auch die Straßenbahn gleich einstellen wollen. Die Wiener Linien hassen den Oberflächenverkehr scheinbar so sehr, dass jede Möglichkeit für Einstellungen sofort genutzt wird, dabei fördert dieser nachweislich die lokale Wirtschaft (die meisten Straßen die den Straßenbahnverkehr verloren haben, wurden dadurch wirtschaftlich ruiniert: Meidlinger Hauptstraße, Favoritenstraße innerhalb des Gürtels, Wiedner Hauptstraße vor dem Matzleinsdorferplatz, und und und).

Was sind meine Träume?


Las Ramblas in Barcelona

Den Ring autofrei zu machen oder zumindest extremst zu beruhigen würde diesen sehr beleben. Die Menschen (EinwohnerInnen als auch TouristInnen) könnten sich ausbreiten und das Grün mit den historischen Sehenswürdigkeiten genießen. Mein Vorbild wäre da die Las Ramblas in Barcelona: Die Menschen spazieren und genießen die Umgebung, auf den Fahrstreifen am Straßenrand kommt dann und wann ein Auto, dass aber langsam fahren muss und daher leise ist. So könnte der Ring auch sein. Der Großteil des Platzes gehört den Menschen, die sich an den Standeln und KünstlerInnen erfreuen, deneben fährt die Straßenbahn und am Rand gibt es einen gemeinsamen Fahrstreifen für Fiaker, den motorisierten Individualverkehr und den Radverkehr. Schneller muss es nicht gehen, dafür gibt es ja die Lastenstraße.

Fazit

Im Laufe der nächsten Woche wird der Ring wieder für den Verkehr freigegeben werden, womit der normale Wahnsinn wieder einkehren wird. Ich befürchte, dass sich in Wien nicht so schnell etwas ändern wird. Aber man wird doch noch träumen dürfen, oder?

Grüner Verkehr

Freitag, Mai 23rd, 2008

Diesen Artikel hab ich für den Schmelztiegel, der Zeitung der Grünen Rudolfsheim-Fünfhaus verfasst.

Derzeit in aller Munde: Die hohen Ölpreise. Etwas, das uns als ökologische und soziale Partei nicht stört sondern freut, da die günstigen Ölpreise der letzten Jahrzehnte mitschuld an vielen problematischen Entwicklungen sind. Die günstigen Transportkosten helfen vor allem den großen Firmen, da es billiger ist ein großes Zentrallager zu haben und von dort alle Transporte durchzuführen. Dies kostet in den Regionen Arbeitsplätze und verursacht hohe Emissionen. Gefördert wird das noch von den Ländern, die die Transportwege (v.a. Autobahnen) zu extrem günstigen Konditionen anbieten, aber hohe Errichtungs-, Wartungs- und Gesundheitskosten in Kauf nehmen müssen.

Rund um die Städte hat diese Entwicklung zu starker Zersiedelung geführt. Viele ArbeitnehmerInnen pendeln jetzt aus ihrem Wohnort im Grünen zu ihrem Arbeitsplatz in der Großstadt. So schön so eine Wohnung im Grünen sein kann, so unökologisch und unsozial ist diese Lebensweise. Die hohen Erschließungskosten (Straße, Kanal, Elektrizität, …) werden zu großen Teilen von den Gemeinden gezahlt, die spätestens dann in finanzielle Schwierigkeiten kommen, sobald die notwendige Erschließung sanierungsbedürftig ist. Die Wirtschaft des Ortes leidet aber besonders unter dieser Lebensweise, da Einkauf und Freizeit meist an anderen Orten getätigt werden.

Kann ein Besuch in einer Shopping City wirklich einen Stadtspaziergang ersetzen? Eine gewisse Dichte an Menschen und Bebauung ist notwendig, damit interessanter, urbaner Raum entsteht. Ganz wichtig ist, dass Frei- und Grünräume in der Stadt errichtet werden, damit auch für Erholung gesorgt ist. Derzeit wird ein großer Teil des kostbaren öffentlichen Raumes für Autos genutzt, sowohl für fließenden als auch ruhenden Verkehr.

Eine Trendumkehr ist möglich. Bereits jetzt ist Wien attraktiv genug, dass viele Leute auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen. 2007 ist erstmals die Anzahl der angemeldeten PKW gesunken. Damit Wien lebenswerter wird, muss der öffentliche Raum den Menschen zurückgegeben werden.

Wir fordern den Einsatz der folgenden Mittel:

  • Weitere Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, bei gleichzeitigem Rückbau von frei werdenden Parkplätzen um Platz für Menschen zu schaffen.
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs (Straßenbahn, Bus) und der Radverkehrswege um das Mobilitätsbedürfnis der Menschen zu befriedigen. Stopp des U-Bahn-Baus außerhalb der Zentren, der nur Platz für PKW-Verkehr schafft und die Menschen in dunkle Tunnels zwingt.
  • City-Maut an der Stadtgrenze, um den Verkehr aus dem und in das Umland von Wien zu verringern. Dies wird sowohl in der Stadt als auch in der Umgebung zu Verkehrsreduktion führen und dadurch die lokale Wirtschaft ankurbeln.
  • Stopp des Autobahnausbaus um die weitere Entwicklung des Transitverkehrs einzudämmen. Dies wird das Wachstum der großen Konzerne bremsen und klein- und mittelständischen Unternehmen neue Chancen geben.
  • Kein Bau der dritten Landebahn am Flughafen Schwechat um einer zusätzlichen Lärmbelastung Wiens entgegenzuwirken.

Weitere Infos im Verkehrskonzept der Wiener Grünen: http://wien.gruene.at/verkehr/

Adieu 21er!

Samstag, Mai 10th, 2008

Jetzt ist es traurige Realität. In den Reigen der Straßenbahneinstellungen in Wien hat sich eine weitere Linie eingereiht. Diesmal die Linie 21, mehr schlecht als recht von der nigelnagelneuen Erweiterung der U-Bahn-Linie U2 ersetzt. Natürlich ist die U-Bahn schneller unterwegs. Nur bringt dies den Fahrgästen nichts, wenn sie zuerst 500m zur nächsten U-Bahn-Station gehen müssen um dann eine kurze Strecke zurückzulegen. Dafür dürfen sich die AutofahrerInnen unter uns freuen, dass die Ausstellungsstraße neben dem Prater gleich nach der EM zu einer neuen Autorennstrecke umgebaut wird.

Seit Beginn des U-Bahn-Baus in Wien sind Straßenbahnlinien massiv von Einstellungen bedroht. Was überbleibt sind meist sterbende Einkaufsstraßen und Auto-dominierte Straßenzüge. Ob es wirklich für die Wirtschaft gut ist, wenn der Kleinhandel stirbt und stattdessen die Einkaufszentren mit dem immer gleichen Geschäften florieren (wobei die meisten Einkaufszentren eh nicht gut gehen)?

Stattdessen werden die Fahrgäste in dunkle Tunnels unter der Stadt gezwängt, in denen die Stadtgestalt nicht zur Geltung kommt. Immerhin kommen jedes Jahr viele Tausend (oder sogar Millionen?) TouristInnen nach Wien um die Stadt zu sehen – auch ich muss bestätigen, dass diese wirkliche sehenswert ist. Aber für die Stadtentwicklung ist halt vorrangig, dass der (Motorisierte Individual) Verkehr flüssig fließt, was sich auch an den mangelnden Ampelbeeinflussungen ablesen lässt. So langsam wie in Wien sind Straßenbahnen und Busse nirgends (zumindest nicht in Mitteleuropa) unterwegs.

Die Oppositionsparteien im 2. Bezirk – vorrangig die Grünen – haben in den letzten Jahren und Monaten alle Register gezogen um die Einstellung zu verhindern. Immerhin haben die Grünen im letzten Monat ca. 8000 Unterschriften gesammelt. Natürlich konnten sie nichts gegen die Sturheit der sozialdemokratischen Stadt- und Bezirksregierung ausrichten, die vor allem eines kann: Verschlechterungen schön reden.

Durch den einsetzenden Autoboom in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sind in vielen europäischen Städten die Straßenbahnnetze eingestellt worden. Die Argumentation basierte meist darauf, dass diese den Autoverkehr behindern würde. In dieser Zeit war man sich über die Nachteile des Autoverkehrs noch nicht im klaren – Unökologisch, Luft verschmutzend, gefährlich. Inzwischen ist man in den meisten Städten wieder klüger geworden und errichtet wieder Straßenbahnen. Modern, hell, schnell – das sind die neuen Schlagworte. Meist werden die Straßenbahnlinien auf Rasengleisen errichtet, um in die tristen Straßenlandschaften ein paar Flecken natürliches Grün einzubringen. Linz, Graz, Innsbruck als Beispiele im eigenen Land – Paris, London, Berlin als potentielle internationale Vorbilder (mehr dazu auf www.tramway.at).

Aber Wien ist anders.

Noch ein guter Text zur Nachlese:

Geschichte des Städtebau – Barcelona

Dienstag, April 15th, 2008

In der Lehrveranstaltung Geschichte des Städtebau hab ich bereits im Jänner ein Referat über Barcelona gehalten. Auch dieses Referat möchte ich euch nicht vorenthalten, darum hier die Folien:


PDF zum Download

Stadtentwicklung in Wien zur Nazizeit

Dienstag, April 15th, 2008

Für eine Lehrveranstaltung hab ich ein kurzes Referat über Stadtentwicklung zur Nazizeit in Wien gehalten. Leider war der Zeitumfang sehr kurz, da hätte man noch viel raus holen können – z.B. die Frage, wer dies gebaut hat.


PDF zum Download

Rad-Highways

Dienstag, April 15th, 2008

Christoph Chorherr hat auf seinem Blog eine Idee für eine Nordost-Tangente für den Radverkehr online gestellt und dies mit der Forderung für Rad-Highways verknüpft. Hier meine Gedanken dazu:

Ich unterstütze die Forderung, dass es Rad-Highways durch die Stadt geben soll, vollkommen. Ich würde auch fordern, dass auf diesen Highways gewisse Mindestanforderungen an die Qualität gesetzt werden. Diese sollten unter anderem Mindestbreite, Mindestkurvenradien und maximale Ampelwartezeiten umfassen. Meiner Ansicht nach gibt es in Wien derzeit nur zwei Radwege, die Anspruch auf einen Rad-Highway erheben könnten: Der Donaukanal-Radweg und streckenweise der Gürtelradweg.

Den Wiental-Radweg als Wiental-Highway zu bezeichnen (außer es ist damit der zukünftige Radweg im Wientalbecken gemeint) find ich dagegen grenzwertig. Die vielen Kurven und Engstellen beinhalten hohes Konfliktpotential mit FußgeherInnen, die Kreuzungssituationen mit dem Autoverkehr stellen durch ihre Führung Schikanen dar und haben langen Ampel-Wartezeiten. Was den Wiental-Radweg entgültig abwertet ist, dass dieser knapp vor dem Naschmarkt endet und man entweder über die Gußhausstraße oder die Margaretenstraße/Operngasse ausweichen muss.

Die Gußhausstraße wäre gar nicht so schlecht für den Radverkehr geeignet, allerdings ist dorthin ein Geländeanstieg zu überwinden und der Umweg macht den Weg unattraktiv. Ausserdem sind in der Gußhausstraße keine Radfahranlagen vorhanden. Der Weg über die Margaretenstraße stellt einen weiten Umweg dar und bietet hohes Unfallpotential, vor allem stadtauswärts. Ich finde der Mehrzweckstreifen in der Margaretenstraße ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Der Verkehr ist vor allem nachmittags sehr dicht, ein Überholen langsamer RadfahrerInnen oft nur schwer möglich. Von der Parkspur droht die plötzlich aufgehende Autotür, von der Fahrspur spontan abbiegende AutofahrerInnen.

Ich hab hier eine vermutlich sehr persönliche Karte der in Wien existierenden Rad-Highways und deren notwendigen Ergänzungen erstellt. Auch die als gut eingetragenen Radwege sind bei weitem nicht optimal, sie erlauben aber immerhin hohe Geschwindigkeiten bei relativ geringem Konfliktpotential. Die orangenen Radwege sind von Highways weit entfernt. Die rot markierten Bereiche erfordern oft lange Umwege oder nötigen zur Mitfahrt im dichten Autoverkehr.

Ein paar dieser Bereiche möchte ich konkret hervorheben:
* Getreidemarkt – Naschmarkt – Karlsplatz
Der Radweg vom Museumsquartier zum Karlsplatz endet sehr spontan vor dem Audimax der TU bei der Lehargasse und macht es nötig sich bei vier Spuren mit dichtem Autoverkehr hindurchzumischen. Etwas, dass vor allem Kindern nicht zugemutet werden kann und auch viele Erwachsene abschrecken dürfte. Es müsste wohl eine Fahrspur geopfert werden, aber hier könnte recht einfach eine attraktive Verbindung geschaffen werden. Noch schlimmer in der Gegenrichtung. Es gibt zwar in der Nibelungengasse einen Radweg, allerdings kostet die Benützung dessen viel Ampelwartezeit (zumindest wenn man von der TU kommt). Die Alternative derzeit ist der Weg durch den Bärenmühl-Durchgang und die Benutzung des Gehsteiges entlang des Getreidemarktes bis zur Gusshausstraße (oder gleich bis zur Mariahilferstraße). Anbei ein Plan, wie ich mir einen Alternativvorschlag vorstelle. Der derzeit existierende Mehrzweckstreifen sollte zu einem Zweirichtungsradweg umgebaut werden und um den Spitz Wienzeile/Operngasse herumgeführt werden. Dort in der direkten Verlängerung eine Radquerung und fertig. Natürlich ist auch eine Abzweigung zum Wientalradweg dabei.

* Südgürtel
Erst kürzlich hab ich den Südgürtel erforscht und hab schmerzlicherweise festgestellt, dass der Radweg dort einfach im Nichts endet. Mit etwas Suchen findet man einen Radweg parallel, dieser ist aber nicht als Highway geeignet.

* Mariahilferstraße
Autos raus. Straßenbahn und Radverkehr rein.

Ich bin davon überzeugt, dass der Anteil des Radverkehrs in Wien explodieren würde, sobald diese Rad-Highways (und dazu auch ein passables Netz dazwischen) gebaut würden. Es bleibt zu hoffen.

Was wäre, wenn … die U2 nicht gebaut worden wäre?

Freitag, April 11th, 2008

Es ist in gewisser Weise richtig, dass eine Parallelführung der Linien 21 und U2 nicht sinnvoll ist. So wird die Linie U2 wohl noch für Jahrzehnte (abgesehen der seltenen Veranstaltungen im Ernst-Happel-Stadion) heiße Luft durch die Gegend führen. Es ist sicher richtig, dass eine U-Bahn schneller unterwegs ist als die Straßenbahn, aber für welchen Preis? Eine Reorganisation des Oberflächenverkehrs wäre vergleichsweise günstig gekommen und hätte eine wesentlich höhere Flexibilität ermöglicht. Auch die jährlichen Betriebskosten wären nur ein Bruchteil des teuren U-Bahn-Betriebs. Mit beschleunigten Ampelschaltungen und optimiertem Streckenverlauf sind im Straßenbahnbetrieb vergleichbare Geschwindigkeiten möglich, vor allem durch die verringerten Umsteigewege. Die Haltestellen können für längere Züge gebaut werden um zu erwartende Fahrgaststeigerungen aufzufangen.

Ich möchte hier einen Vorschlag bringen, wie der Straßenbahnbetrieb in der Umgebung des Praters hätte aussehen können, wenn ein paar kreative Köpfe am Werk gewesen wären und weniger Interessen der Bauindustrie und AutofahrerInnen-Klubs. Der U-Bahn-Bau wird ja vor allem von diesen Organisationen gefördert, da diese viel Geld an den Bautätigkeiten lukrieren können, bzw. die Straße frei für den Autoverkehr bekommen.

Die Donaustadtbrücke wird zu einer Strassenbahnbrücke ausgebaut, ein Linienbündel fährt darüber und bindet die Donaustadt an. Bei Stadlau teilen sich die Linien auf und erschließen verschiedene Bezirksteile. Die Linien N und 18 werden durch den Prater verlängert um das Stadion und die zukünftige WU-Wien besser anzubinden. Die Linie 11A ist an bereits ihrer Kapazitätsgrenze und wird daher auf Straßenbahn umgebaut und verlängert.

Linienänderungen
Hier die detailierten Linienänderungen meines Vorschlages:
Linie 18 (blau)
Die Linie 18 wird von der Schlachthausgasse durch den Prater und über die Donaustadtbrücke verlängert und erschließt dort Stadlau – Hirschstetten – Breitenlee. Damit werden die Bezirke Donaustadt und Landstraße mit einem effizienten Verkehrsmittel verbunden. Dies ist auch die bevorzugte Strecke vom zukünftigen Hauptbahnhof zum Stadion.

Linie 21 (orange)
Die Linie 21 behält den Großteil ihrer Strecke, fährt nach dem Stadion allerdings über die Donaustadtbrücke weiter und erschliesst Stadlau – Aspern – Essling – Groß-Enzersdorf. Damit wird die Donaustadt effizient an das Wiener Zentrum angebunden. Eine mögliche Verlängerung zur EM-Fanmeile wäre möglich um eine umsteigefreie Verbindung zu schaffen.

Linie N (lila)
Die Linie N wird durch den Prater zur WU-Wien, Messe und Stadion verlängert. Dies ergibt eine zusätzliche Verbindung ins Zentrum.

Linie 11 (grün)
Die Linie 11A wird zur Straßenbahnlinie 11 umgebaut und über Stadion zum Praterkai verlängert. Dies verbindet das Stadion mit den nördlichen Bezirken.

Stadionverkehr
Im Stadionverkehr bedienen die Linien dann folgende Relationen:
Linie 21: Praterstern (U1 – Zentrum) – Schwedenplatz (U4 – Spittelau – Heiligenstadt) – EM Fanmeile Schottentor; Donaustadt
Linie 18: Schlachthausgasse (U3 – Zentrum – Westbahnhof bzw. U3 – Simmering) – Südbahnhof/Hauptbahnhof; Donaustadt
Linie N: Landstraße – Schwedenplatz (U1 – Zentrum)
Linie 11: Vorgartenstraße (U1 – Kagran) – Handelskai (U6 – Floridsdorf) – Heiligenstadt; Praterkai (S-Bahn)
Linie 791: Landstraße – Wien Mitte (U4 – Karlsplatz – Hütteldorf)

1 Führt über die Strecke N im Prater, außerdem müssen in der Marxergasse Gleise verlegt werden (gestrichelt im Plan).

Plan

Dies alles hätte zu einem Bruchteil der Kosten der U2 gebaut und betrieben werden können. Schade für diese vertane Chance.

Wiener Krokodilstränen

Samstag, März 15th, 2008

Gerade hab ich auf derstandard.at ein gutes Kommentar von Hellmut Butterweck gefunden, in dem er die Stadtplanungs- und Architekturkultur in Wien kritisiert. Kein Wunder, dass Wien immer uninteressanter wird. Welche herausragenden Leistungen hat es denn in den letzten Jahren in Wien gegeben? Vielleicht die Donaucity, in der ständig unwirtlich der Wind weht? Vielleicht die Wienerberg City, in der die Freiräume kommerziellen Interessen zum Opfer gefallen sind und die vergeblich auf eine sinnvolle ÖV-Anbindung hofft? Das auch im Artikel angesprochene Haus von Zaha Hadid am Donaukanal, das wieder mal leer steht?

-> http://derstandard.at/?id=3265572